Chronik

Veit Düppmann ist nun Vorsitzender!

 

Chorgesang seit 1850 

Bereits in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts versammelte Franz Philipp Düppmann zu Zeiten des musikalischen Pfarrers Hölscher Mitglieder der Männersodalität um sich, um die Kirchenmusik zu pflegen. 1850 wurde dann der Männergesangverein Liedertafel gegründet. Chorleiter wurde Theodor Düppmann. Noch zweimal änderte sich der Name: 1915 in Männergesangverein Lyra und 1969 in Männerchor Lyra.

 

Musikalische Besonderheiten werden viele in der Vereinschronik geschildert. Liest ein Unbeteiligter diese Auflistung, stößt er unweigerlich auf Glanzlichter. Denn wer Musikfreund ist und allein Salzburg liest, der gerät schon leicht ins Schwärmen.

 

Die Lyra war gleich dreimal im Salzburger Großen Festspielhaus aktiv. 1963 und 1974 mit Direktor Matthias Büchel und seinem Musikverein Gütersloh sowie 1993 wiederum mit dem Musikverein, als Fausts Verdammnis aufgeführt wurde. Auch von Auftritten in der Münsterlandhalle oder in der Bielefelder Oetkerhalle wird dort berichtet. Zum Beispiel 1976, als unter dem Dirigat von Büchel Orffs Carmina Burana aufgeführt wurde.

 

Glanzlichter waren allerdings nicht nur im musikalischen Bereich. So zählt der große Festumzug zum 125-jährigen Bestehen im Jahr 1975 sicher auch dazu. Und auch die Ausflüge, die unter anderem nach Frankreich (1973 und 1993), nach Ungarn, in die Schweiz, in die Vulkaneifel oder ins Ammerland führten.

 

Musikalisch fielen in den vergangenen 25 Jahren vor allem 1987 das Konzert mit der Kleinen Sängervereinigung von 1920 auf. Diese besteht aus Concordia Beelen, Eintracht Clarholz, Concordia Herzebrock und Lyra Lette. Ebenso, wie das Konzert mit dem Kirchenchor und dem Aachener Domorganisten Herbert Voß 1988, das Schubertkonzert 1989, die Aufführung des Kalenders vor den Augen des Komponisten Siegfried Strohbach 1993, ein Opernabend mit Gunther Emmerlich und Hedwig Voss, geb. Westhoff-Düppmann, 1994 und 1999 Haydns Schöpfung.

 

In der Chronik ist ferner beschrieben, dass die Sangesbrüder Theater spielten. Acht Aufführungen boten sie zwischen 1896 und 1956.

Der Chor kann also auf eine Geschichte von 160 Jahren blicken. 130 Jahre davon übernahmen Mitglieder der Familie Düppmann als Dirigenten Verantwortung.

 

In der jüngeren Geschichte fanden die beliebten und stets gelungenen Konzerte unter Titeln, wie Vorwiegend heiter, oftmals gemeinsam mit Gästen statt. Mal kamen diese aus heimischen Gefilden, mal von weit her. Sogar aus Russland und Moldawien. Musik verbindet eben und kennt keine Grenzen. Auch ein Titel eines Konzertes.

Bei 166 Jahren wird es nicht bleiben 

Lette (gl). „166 Jahre Chorgesang“ – so prangte es am späten Sonntagnachmittag an der Stirnseite der Sporthalle, in welcher der Männerchor Lyra Lette vor einem stattlichen Publikum zum großen Chorkonzert angetreten war. Und schnell stellten die Sangesbrüder klar, dass es in Zukunft nicht bei diesen 166 Jahren bleiben wird.

Ernstere Töne schlug der erste Block des Programms an: Trost der Musik, Lob Gottes, Bitte um den Frieden. Insgesamt waren es romantische Klänge in der guten Tradition des Männergesangs, einige Male auch sehr anspruchsvoll, etwa Goethes Worte „Gottes ist der Orient“, die Franz Liszt raffiniert in Musik gesetzt hat. Den ersten instrumentalen Beitrag übernahm Geigerin Svenja Bromberg, am Flügel nicht nur unterstützt von Engelbert Schön. Mit geschmeidigem Strich ließ sie die „Berceuse“ von Fauré aufblühen, empfahl sich aber auch auf anderen Feldern – Mozart etwa.

Ein Satz aus der Violinsonate G-Dur (KV 301), sein Andante in C-Dur (eigentlich für Flöte gedacht), das war kultiviertes Spiel. Und wer dann noch etwas „Pusztafeuer“ wünschte, erhielt es von Vittorio Monti: „Csárdás“.

Zum letzten Mal dirigierte Engelbert Schön die Lyra. Auch er empfahl sich solistisch, und zwar pianistisch mit dem „Impromptu“ in As-Dur von Schubert, romantische Träumereien mit virtuosem Einschlag. Und dennoch: Der Schatten seiner Nachfolgerin Sandra Botor lag über ihm. Und die machte sich schon einmal musikalisch bemerkbar. Nicht mit dem Dirigentenstab, sondern mit gepfefferten Liedern, und sie überzeugte auch schauspielerisch. Mit rauchiger Stimme schmetterte sie wie eine bekannte Chansonnière von der Seine das russische Lied „Nur nicht aus Liebe weinen...“, schlüpfte später gekonnt in die Rolle der Carmen, die in Bizets „Habanera“ die Liebe als wilden Vogel besingt. Das waren schon Ausbrüche des Temperaments.

Doch zurück zum Chor: Sein zweiter Block kreiste um Liebe und Wein, humorvoll und nicht immer ernst zu nehmen. Oder was sagen die Theologen zu Josef Ants Humoreske „Die Entstehung des Kusses“? Verdanken ihn die Verliebten wirklich Adam und Eva? In jedem Fall: Es war Musik zum Schmunzeln. Im Finale vereinigte Johann Strauß mit seinem unverwüstlichen „Kaiserwalzer“ alle Mitwirkenden. Festliche Klänge, die auch in republikanischen Zeiten nichts von ihrer Frische eingebüßt haben. Zum Schluss durfte das Publikum einstimmen, und zwar mit der volltönigen „Letter Hymne“, geschrieben von Werner Schulze und Wolfgang Koch, vertont von Engelbert Schön.

Das Fazit des Konzertes ist eindeutig: In dieser Verfassung braucht die Lyra die Zukunft nicht zu fürchten, auch nicht nach dem Stabwechsel. Dr. Ekkehard Gühne